Artikel-Single-View
28-04-08 20:28 Alter: 18 yrs

VON:BERND J.

Rauchzeichen an der Frauenkirche

In Dresden fanden sich die Zigarrenliebhaber im Davidoff-Depot zum 7. Habanos-Experten-Wettbewerb im Quartier an der Frauenkirche Ende März in überschaubarer Anzahl ein. Die Mitglieder des durch das Depot betreuten Zigarrenclubs hatten sich entschuldigen müssen. Drängende Geschäfte ließen ihr Erscheinen mitten in der Woche offenbar nicht zu.



Die Geschäftsführerin, Frau Hantsch, hatte die unberingte Testzigarre und die Vergleichszigarren bereits zuvor in einer Ecke ihres großen, optimal befeuchteten und temperierten, begehbaren Humidors ausgelegt, so dass die Zigarrenliebhaber schnell feststellen konnten, dass sich die Zigarren in den Formaten nicht unterschieden.

Doch wie war es mit dem Deckblatt? Hier waren deutliche Unterschiede in Farbe und Blattabriss erkennbar, die erste Anhaltspunkte über die zu erschmeckende Testzigarre zuließen.

Vor dem Humidor hatte Frau Hantsch einen Stehtisch platziert, der nicht nur mit einem gediegenen Aschenbecher, sondern zur Ehre des besonderen Tages auch mit einem Premiumcognac gedeckt war.

Sollten die Geschmacksnerven vor dem Entzünden der Zigarren erst ein wenig stimuliert werden?

Frau Hantsch schenkte auf Kosten des Hauses freizügig aus. Ich habe das Angebot zunächst ausgeschlagen, da ich zu gespannt auf die Testzigarre war. Schnell wurde durch die ersten Züge klar, dass es sich um eine leichte kubanische Zigarre handeln musste.

Gleichwohl, der Geschmack war voll und rund.

Jetzt war äußerste Konzentration gefragt. Konnte ich mich auf mein Erinnerungsvermögen hinsichtlich der bereits teilweise vor geraumer Zeit genossenen Vergleichszigarren verlassen? Ich schied zunächst die Kräftigeren von ihnen, wie etwa Punch und Romeo, aus. Zugverhalten und Abbrand boten sodann weitere Anhaltspunkte, um den Kreis der verbleibenden Zigarren im Ausschlussverfahren weiter einzuschränken.

Das Zugverhalten der Testzigarre war vorzüglich. Mit einem leichten Hauch ließ sich der Rauch an die Geschmacksknospen heranziehen. Der Abbrand entsprach diesem Eindruck: gleichmäßig, mit einem sehr leichten Blaustich.

Die anderen Anwesenden verglichen nun intensiv die Abbrände der Vergleichszigarren mit der Testzigarre. Das Erscheinungsbild unterschied sich bei näherem Hinsehen! Oder bildeten wir uns dies nur ein?

Die Testzigarre war nunmehr zu zwei Dritteln aufgeraucht. Ich muss gestehen: Vor lauter Diskutieren ist sie mir sogar zwischendurch ausgegangen. Die Entscheidung musste fallen, bevor der Geschmack ins Bittere kippen würde.

Überwiegend aufgrund des Geschmackeindrucks habe ich mich für die Hoyo de Monterrey als die zu erschmeckende Testzigarre entschieden.

Kann es Zufall gewesen sein, dass der Sächsische Verfassungsgerichtshof an diesem Tag in einem Eilverfahren zugunsten eines klagenden Gastwirts und gegen den Gesetzgeber des neu in Kraft getretenen Sächsischen Nichtrauchergesetztes entschieden hatte, wie ich bei der Heimfahrt aus dem Autoradio erfuhr?

Ich wünsche mir mehr Rauchzeichen wie diese. Nicht nur an der Frauenkirche!