Sightseeing in Havanna • Teil 1
Die kleine Zigarrengeschichte am Donnerstag.
Mitte der 80er Jahre flog ich mit meiner Freundin zu einer Reisemesse nach Varadero und wir hatten im Anschluss zwei Tage Aufenthalt in Havanna. Abends kamen wir in der Hotelbar mit einem Kubaner ins Gespräch – wobei Gespräch nicht der richtige Ausdruck ist für die Art der Unterhaltung, die wir führten. Unser kubanischer Konversationspartner verfügte über einen deutschen Wortschatz von etwa 15 bis 20 Wörter. Sein englischer Wortschatz war nicht deutlich umfangreicher und unser spanischer war mindestens ebenso spärlich. Die deutschen Lieblingsworte des Kubaners, von denen er ausgiebig Gebrauch machte, waren „Jessus Maria“.
Unser Gesprächspartner – nennen wir ihn Jesus – war ca. 25 Jahre alt. Neben ihm saß Ramon, ein etwa 50jähriger Kubaner, der recht gut Englisch sprach und sich seinerseits mit einem Kubaner an der Bar unterhielt. Da unser Gespräch mit Jesus mangels passender Vokabeln häufig stockte, wurde Ramon von Jesus permanent zu Übersetzungen genötigt, was seine eigene Unterhaltung natürlich erheblich störte. Das kümmerte Jesus jedoch nicht im Geringsten.
Meine Freundin rauchte damals Zigaretten und im Laufe des Abends bot sie Jesus, der kubanische Popular rauchte, eine Dunhill-Zigarette an, die er begeistert annahm. Im Gegenzug wollte Jesus uns zu einem Cuba Libre einladen, aber der Barkeeper weigerte sich, ihm gegen Pesos Drinks für Ausländer zu verkaufen. Nach langen Diskussionen erklärte sich der Barkeeper schließlich damit einverstanden, dass Jesus den Rum und wir die Cola zahlten.
Natürlich rauchte ich an diesem Abend einige Zigarren und da Ramon auch Zigarrenraucher war, konnte ich ihn als kleine Entschädigung für die ständigen Störungen zumindest auf ein, zwei Montecristos einladen.
Nachdem wir Jesus zur Annahme einer Schachtel Dunhill-Zigaretten genötigt hatten, bestand er darauf, uns am nächsten Morgen Havanna zu zeigen und wir verabredeten uns für 9:00 Uhr. Wir waren überzeugt, dass es sich um eine nicht ernst gemeine Höflichkeitsfloskel gehandelt hatte – zumal der Alkohol reichlich geflossen war. Aus diesem Grund planten wir, gründlich auszuschlafen. Um kurz nach 9:00 Uhr wurden wir vom Läuten des Telefons geweckt. Jesus erwartete uns in der Lobby.
Als wir die Lobby betraten, erwarteten uns Jesus und …. Ramon. Letzterer war morgens von Jesus angerufen und so lange bearbeitet worden, bis er sich bereit erklärt hatte, uns mit seinen Dolmetscherdiensten zu begleiten. Jesus war bestens aufgelegt und aufgekratzt … Jessus Maria. Das konnte man von Ramon nun ganz und gar nicht behaupten. Er machte einen äußerst mürrischen Eindruck – verständlicher Weise, denn es war Sonntag.
Wir machten uns zu Fuß auf den Weg in die Altstadt. Unterwegs kamen wir an einem Straßenverkäufer vorbei, der Havannas in einer großen, offenen Zedernkiste, die er mittels eines Lederriemens umgehängt hatte, zum Einzelverkauf anbot. Ramon erstand einige Exemplare und überreichte mit zwei davon. Wir entzündeten je eine und die Stimmung besserte sich merklich.
Fortsetzung folgt.