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16-04-15 10:33 Alter: 11 yrs

VON:ULRICH BIRD, CELLE

Sinn oder Unsinn des Draw Pokers



Auch wenn es das Bundeswehr-Kreuz ist: Der Draw Poker gehört nicht zur Standardausrüstung eines Soldaten.


Draw Poker • Schraubung


Draw Poker • Spitze (alle Bilder: Ulrich Bird, Celle)

Eine provokante Überschrift, nicht wahr? Sicher werden nun die Wogen bei den Befürwortern wie bei den Nicht-Nutzern gleichermaßen hochschlagen. Bei Ersteren wegen der Zustimmung für dieses Werkzeug, bei Letzteren wegen des heftigen Kopfschüttelns und der vorherrschenden Meinung: Wer braucht denn so etwas?

Aber eins nach dem Anderen. Zuerst sollte mal geklärt werden, worum es hier geht. Wie es die Überschrift schon sagt, wir sprechen vom „Draw Poker“. Nein, nicht von der Spielvariante beim Kartenspiel Poker (hier wird ja heutzutage vornehmlich »Texas Hold’em« gespielt), sondern von jenem Werkzeug, das bei Zigarrenrauchern zum Einsatz kommt – wenn nötig. Der Draw Poker [von to draw = ziehen und poker = Schürhaken – also „mit dem Schürhaken einen Zugkanal ziehen, damit (die Zigarre besseren Zug bekommt), das Feuer besser brennt].

Und genau an diesem kleinen Nachsatz scheiden sich die Geister. „Wenn nötig?!“ – Die Nicht-Nutzer sagen ja gern mal: Wer ’nen Nagel braucht, damit er Zug in die Zigarre bekommt, sollte lieber Schokozigarren essen, denn zu rauchen versuchen! Die Frage ist: Liegt es am Raucher oder an der Zigarre, wenn das Laubröllchen nicht ziehen will, wenn der Genuss zur Qual wird. Die Einen sagen so, die Anderen so. Wer noch nie eine nichtziehende Zigarre hatte, hatte einfach unverschämtes Glück oder raucht erst seit gestern.

Nein, mal ganz ruhig: Dass es vorkommen kann, dass eine Zigarre mal nicht gut zieht oder man sich zumindest richtig anstrengen muss, damit sie sich entwickelt und man das Rauchvolumen genießen kann, ist allgemein bekannt.

Wir gehen bei unserer Betrachtung natürlich davon aus, dass die Zigarre richtig gelagert wurde und der Aficionado weiß, was er tut. Kann es dann sein, dass die Zigarre wenig bis gar keinen Zug hat oder anders herum gefragt, der Zugwiderstand so hoch ist, das kaum Luft und damit Rauch hinten ankommt? Ja, es kann passieren – und was mache ich dann? 

Hier gibt es mindestens drei Möglichkeiten, die ich überall, aber besonders in einer Zigarrenlounge gut abwägen sollte: 

Erstens: Ich quäle mich durch die Zigarre, lächle die Anderen in der Lounge an und sage: „Alles bestens!“ *grins* (Schlechte Wahl, denn die Wangen stoßen schon zusammen und das sieht jeder im Raum.)

Zweitens: Ich werfe die Zigarre weg, so wie ich dann auch einen Zehner wegwerfen würde (würde ich?) und schneide eine neue Zigarre an – Alles wird besser, hoffe ich. (Da freut sich der Verkäufer ’nen Loch ins Knie und hofft auf viele dichte Zigarren.)

Oder Drittens: Ich greife lässig in die Tasche, hole den Draw Poker hervor, bohre vorsichtig einen Rauchkanal in die Zigarre, kann fortan genussvoll weiterrauchen und bin begeistert von so viel Verbesserung durch einfaches Tun.

Damit hätte ich mich also auch schon geoutet, ja, ich bin ein Anhänger dieser kleinen aber feinen Werkzeuge, sie machen Vieles einfacher, wenn es Not tut. Natürlich nicht immer, aber wenn ich keinen Spaß am Rauchen mehr habe, weil die Zigarre nicht zieht, dann nutze ich meinen Draw Poker gern. Allerdings natürlich auch, weil ich nicht zur Kategorie 1 oder 2 gehören will. Beide sind nicht aus meiner Welt. 

Eine Zigarre wegwerfen würde ich nur, wenn sie grauselig schmeckt oder aufplatzt und dann gar nicht mehr geht. Und das Wangenproblem will ich auch nicht.

Nun noch ein paar Worte zum Aussehen und Handling des Draw Pokers. Das wichtige Teil des Instruments ist ein gedrehter, schraubenförmiger etwa 1,5 bis 2 mm dicker Stahldorn mit einer kurzen Spitze, der sich leicht und gut in eine Zigarre bohren lässt. Wichtig ist, das es ein Dorn ist und keine offene Spirale, da man kein Material heraus-, sondern nur einen Rauchkanal hineinbohren will. Wenn man die kleine zarte Variante ohne Führungshülle verwendet, sollte man darauf achten, dass der Kopf nicht zu groß und damit schwer ist, sonst ist das Handling eher schwierig. 

Die Handhabung ist selbsterklärend. Ich drehe den Draw Poker von der Mundseite aus vorsichtig in die Zigarre, ziehe ihn anschließend wieder heraus und öffne so einen Zugkanal. Von vorn kann ich es nicht empfehlen, da wird das Metall doch recht heiß und wer will das schon?

Um noch einmal auf den Sinn oder Unsinn des Draw Pokers zurück zu kommen, für mich lautet das Urteil ganz deutlich: Ja, der Draw Poker ist sinnvoll und hilft, den Genuss zu steigern, sollte man mal eine nicht ganz perfekt gerollte Zigarre erwischen.