26-01-08 14:26 Alter: 19 yrs
VON:GH
Tatort Hamburg
Üble Machenschaften finden regelmäßig nur auf der Bühne dieses hoch angesehenen Hamburger Theaters statt. Nur Anfang Januar geschah Unerhörtes im Foyer.
Wie jedes Jahr hatte man zum Neujahrsempfang geladen. Und wie jedes Jahr waren auch der Altbundeskanzler Helmut Schmidt und seine Ehefrau Loki anwesend.
Das Ehepaar, er 89 Jahre und sie 88 Jahre alt, lehnte sich entspannt zurück und zündete – man kennt es kaum anders – Mentholzigaretten an.
Niemand nahm Anstoß; man applaudierte sogar, als Kabarettist Eberhard Moebius in seiner satirischen Ansprache den Unfug des Hamburger Raucherdiskriminierungsgesetzes geißelte und die Schmidts für ihr Rückgrat und ihre Gradlinigkeit lobte.
An diesem Tag muss ein rauer Nordwind geherrscht haben. Denn weit im Süden, in Wiesbaden, erreichte der mentholgeschwängerte Zigarettenrauch einige Nichtraucher. „Körperverletzung“ riefen diese und erstatteten sogleich Anzeige gegen die Schmidts bei der Staatsanwaltschaft in Hamburg.
Sichtlich genervt bestätigte Rüdiger Bagger, der Sprecher der Staatsanwaltschaft den Eingang und fragte laut, ob denn die Staatsanwaltschaft nichts Besseres zu tun habe.
Wenige Stunden später dann die zweite Mitteilung in dieser Sache: „Wir werden die Bearbeitung der Anzeige in kurzer Zeit abschließen und die Sache einstellen“.
Interessant und durchaus merkenswert die Begründung: Man müsse unterscheiden zwischen einer Belästigung und einer Körperverletzung. Eventuell könnte es ja eine Belästigung gewesen sein. Die Grenze zur Körperverletzung sei in keinem Falle überschritten.