05-03-12 00:00 Alter: 14 yrs
VON:WALTER WIPPERSBERG
Über die Beweisführung des Antirauchers
[GH] Walter Wippersberg nimmt sich in seinem Buch die so genannten Beweise der Antiraucher vor – viel bleibt von denen nicht übrig. Hier ein Auszug:
So gilt es vielen auch als bewiesen, daß in einem Jahr in Deutschland 3301 Menschen am »Passivrauchen« gestorben seien. Wiederum eine ganz genaue Zahl. Sie stammt aus einem Papier des »WHO-Kollaborationszentrums für Tabakkontrolle« beim Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg. Und dieses Papier ist zur wirkungsmächtigsten Waffe im Kampf gegen die Raucher geworden. Darauf berufen sich alle, die behaupten, es sei wissenschaftlich eindeutig und ein für allemal bewiesen, daß »Passivrauchen« höchst gesundheitsgefährdend sei. Hier wird das zentrale Dogma formuliert, und wir haben, wie das bei Dogmen so ist, daran nicht zu zweifeln. Uns wird abverlangt, die vorgelegten Zahlen und die daraus abgeleiteten Schlußfolgerungen einfach zu glauben. Zweifeln wir sie an, so unterstellt man uns (wenn wir nicht gerade Mediziner und/oder Statistiker sind), wir redeten von Dingen, von denen wir nichts verstünden. Doch sollte eben dieser Hinweis Grund genug sein, uns eben doch einzumischen. Fragen der Gesundheitspolitik (und um Politik geht es) sind zu wichtig, als daß man sie allein den Medizinern überlassen dürfte (so wie etwa auch vieles, was mit Religion zusammenhängt, zu folgenreich ist, als daß man ausschließlich Theologen darüber sprechen las- sen sollte).
Freilich ist in der Tat kaum ein »Laie« wirklich imstande, das den »Studien« zugrunde liegende Zahlenmaterial zu überprüfen und auf seine Plausibilität hin zu beurteilen – auch nicht die angewendeten Methoden auf ihre wissenschaftliche Seriosität hin. Doch gibt es natürlich Menschen, die das von ihrer Ausbildung und von ihrem Beruf her sehr wohl können.
Der schon erwähnte und mehrfach zitierte Wissenschafts- und Technik-Philosoph Günter Ropohl, promovierter Techniker und habilitierter Philosoph, Professor an den Universitäten Karlsruhe und Frankfurt am Main, Autor zahlreicher Bücher, hat sich kritisch mit jener »Studie« beschäftigt, die jene Zahl 3301 Tote durch »Passivrauchen« in die Welt gesetzt hat.
Er stellt, wie schon erwähnt, fest, daß es vielfach unmöglich sei, »eine Erkrankung ganz bestimmten externen oder internen Faktoren eindeutig zuzuschreiben.« Und er weiß, daß viele Studienautoren den Ausweg aus diesem Dilemma eben in der Statistik sehen. »Anstelle kaum möglicher Einzelfallanalysen untersucht sie Kollektive von einschlägig betroffenen Personen und ermittelt in der Stichprobe die Anzahl derjenigen, die einem bestimmten Faktor während ihres Lebens in besonderer Weise ausgesetzt waren. Wenn diese Personen häufiger erkranken oder sterben als die anderen, bei denen der betreffende Faktor auszuschließen ist, dann definiert man diese gegenüber dem Normalwert 1 erhöhte Häufigkeit als relatives Risiko RR und nimmt an, dass der unterstellte Faktor die Erkrankung bzw. den Tod verursacht. […] Mit der Auswahl der Variablen unterstellt man von Anfang an einen ursächlichen Zusammenhang, den man hernach mit rein numerischen Operationen zu beweisen wähnt. Diese höchst fragwürdige Argumentationsform ist in keiner Weise gegen den Trugschluss der Scheinkorrelation ge- feit, für die in den Lehrbüchern der Statistik höchst aparte Beispiele angeführt werden. So hat man etwa eine überaus positive Korrelation zwischen dem Geburtenrückgang und der Abnahme der Klapperstorchpopulation errechnet. Hier sieht jeder sofort, dass dieses statistische Kunststück das alte Ammenmärchen kein bisschen wahrer macht, doch oft sind Scheinkorrelationen wesentlich schwieriger zu identifizieren.«
Auf solchen epidemiologischen, also im wesentlichen statistischen Rechenmodellen beruhen alle Zahlen, mit denen der Kampf gegen die Raucher geführt wird, und keines dieser Modelle kann das Problem möglicher Scheinrelationen ausschließen. Wenn es schon praktisch unmöglich ist, die exakte Zahl derer zu ermitteln, die tatsächlich an den Folgen des Rauchens sterben, dann läßt sich darüber, wie viele und ob überhaupt Menschen an den Folgen des »Passivrauchens« sterben, mit diesen Methoden so gut wie nichts aussagen.
Der Krieg gegen die Raucher. Zur Kulturgeschichte der Rauchverbote. Wien, Promedia Verlag 2010. 13,90 Euro