20-05-08 08:00 Alter: 18 yrs
VON:TS
Unterschiede zwischen deutschem und schweizerischem Schriftdeutsch
Wie einigen Lesern bestimmt aufgefallen ist, schreibt unter dem Kürzel „TS“ ein Schweizer für die Tabakpresse. Dies hat für viele den Vorteil, dass sie nun mehr als gewohnt Schreibfehler melden und damit natürlich Blätter fürs Tabaklager sammeln können.
Doch nicht immer ist ein Fehler wirklich ein Fehler: Obwohl in der Schweiz grundsätzlich in Hochdeutsch (in Deutschland „Standardsprache“) geschrieben wird, gibt es nicht nur bei bestimmten Ausdrücken, sondern insbesondere bei der Orthographie gewisse Unterschiede.
Am auffälligsten ist ganz klar das fehlende „ß“. So etwas haben wir nicht mal auf der Tastatur; wir schreiben einfach immer zweimal ein normales „s“. Um es dennoch schreiben zu können, bin ich auf den ANSI-code „0223“ angewiesen.
Doch es gibt noch andere Unterschiede auf den beiden Tastaturen. So ist z.B. die Taste unter der „3“ beim Ziffernblock bei uns ein Punkt und kein Komma. Dies hat durchaus seinen Sinn: Während man in Deutschland 8,56 Euro schreibt, würden wir 14.00 Franken schreiben (übrigens: Geldbeträge werden bei uns immer auf 5 Rappen gerundet – dies ist auch das kleinste noch gültige Geldstück. Eigentlich wollte man auch dieses schon abschaffen, da die Herstellung teurer als sein Wert ist, doch der Widerstand war noch zu gross). Größere Zahlen werden bei uns mit dem „Hochkomma“ getrennt, also 1'000'000.00 wären die Million, 1 000 000,00 oder gar 1.000.000,00 sieht für meine Augen ziemlich seltsam aus. Grösste Probleme kann dies geben, wenn man bei eBay in letzter Sekunde ein Gebot abgeben möchte – 5.63 wird leider nicht akzeptiert und man verpasst das Angebot.
Die Klassiker bei den Begriffen sind das Velo (Fahrrad), die Finken (Hausschuhe) und die Peperoni, welche bei uns Paprika sind und umgekehrt.
Ganz wild ist es auch beim Laufen und Gehen sowie beim Riechen und Schmecken. Laufen bedeutet bei uns einfaches Gehen, dem raschen Gang sagen wir rennen. Zwischen riechen und schmecken wird gar nicht gross unterschieden: es schmeckt einfach alles, oder eben nicht.
Bei der Umsetzung der Rechtschreibereform haben sich zusätzliche Unterschiede ergeben. Da in der Schweiz Französisch eine weitere Landessprache ist, werden bei uns die vom Französisch stammenden Ausdrücke nicht „eingedeutscht“. Die Mayonnaise wird nicht zur Majonäse und das Portmonee bleibt das Portemonnaie. Auch sonst haben wir vermehrt französische Begriffe, so z.B. den Kondukteur (Zugführer), welcher auch im Tram (Strassenbahn) die Billete (Fahrkarten) kontrolliert.
Weitere bisher gemeldete „Fehler“ waren die anhängige Klage, welche in Deutschland eben nur hängig ist, Unternehmungen sind Unternehmen, und ich habe nun schon eine ganze Weile zugewartet, diesen Artikel zu schreiben.
Trotz dieser Unterschiede sind die Sprachen einigermassen kompatibel – aber manchmal ist das Gleiche eben nicht ganz dasselbe.