09-07-08 21:10 Alter: 18 yrs
VON:UWE ZABACH
Zigarren rauchen in Kanada
Ein Reisebericht über Vancouver und Victoria.
 |   Casa del Habano – vorübergehende Lösung
  Goodfellas Zigarrenshop
  Ein wenig heruntergekommen …
  Solche Regeln …
  … sind bei solchen Angewohnheiten wohl angebracht.
  Preisbeispiel
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In British Columbia (BC) gilt seit 2006 ein Rauchverbot in allen öffentlich zugänglichen Räumen. Es wird auch stark diskutiert, ob man das Rauchen auf den Patios (Terrassen vor den Restaurants und Bars), also unter freiem Himmel, verbieten sollte. Ebenso wird diskutiert, das Rauchen an Stränden und in Parks zu verbieten. O tempora, O mores.
Nun ja, dadurch lässt man sich nicht entmutigen. Den Anfang bildet wieder die Casa del Habano. Diese ist für mich immer die erste Anlaufstelle auf der Suche, aber nicht immer die „Erste Adresse“. Im Verzeichnis der Casas findet man teilweise noch die Anschrift Robson Street 980. Das Einzige, was dort qualmt, sind die Socken derjenigen, die GEOX Sportschuhe probieren.
Ratlosigkeit macht sich breit, aber in der Nachbarschaft befindet sich ein Tabakwarenladen mit Anpreisung von Havanna-Zigarren. Bei der Nachfrage nach der Casa erntet man Achselzucken. „… Ich verkaufe hier nur, keine Ahnung. Gehen sie doch mal nach Gastown …“. In Gastown gibt es auch keine Casa; auch keine Antworten, aber mehrere Zigarrengeschäfte. Eine Inhaberin klagte mir ihr Leid, dass es ihr verboten sei, in ihrem eigenen Laden zu rauchen.
Auf der Suche nach weiteren Zigarrengeschäften landete ich in Yaletown, einem Stadtteil von Vancouver, in dem früher die Lagerhäuser waren – wie gesagt, waren. Inzwischen eine recht angesagte Gegend mit vielen Bars, Restaurants, Galerien, Lofts, eben aufstrebend. Dort befindet sich die Vancouver Cigar Company mit ihrem Laden.
Auf der ehemaligen Rampe recht einladend zwei Tische und mehrere bequeme Stühle, der Laden weit offen. Auf die Frage nach der Möglichkeit zu rauchen, sagte man nur: „Wo sie wollen, draußen oder drinnen“. Hier trifft man sich, diskutiert, verfolgt die Eishockey-Ligaspiele, macht seine kurze oder lange Pause, sprich: Man genießt.
Kurz vor Ende des Aufenthaltes habe ich sie doch gefunden, die Casa, allerdings in einem Zwischenquartier. In der Zwischenquartier-Casa durfte man nicht rauchen, wegen fehlender Genehmigung.
Zigarrenfreunde sollten sich besser in der Heimat mit dem versorgen, was sie benötigen. Die Zigarren kosten hier rund das Doppelte der in Deutschland berechneten Preise. Und nicht wundern, wenn zwischen ausgezeichnetem Preis und dem zu zahlenden Preis ein erheblicher Unterschied besteht. In Kanada wird netto ausgepreist, d.h. es kommen 7% GST (Goods and Services Tax, vgl. Mehrwertsteuer) und in BC 7% PST (Provincal Sales Tax, so eine Art Provinzsteuer) hinzu. Preisbeispiel: Montecristo Edmundo: 27,25 Can$ ( ca. 20,00 €), Hoyo de Monterrey Doppelcorona: 41,34 Can$ (ca. 30,00 €).
Victoria ist ein viktorianisch anmutendes Städtchen auf Vancouver-Island, der im Pazifik vorgelagerten Insel (Größe ca. 400 x 80 km). Bedingt durch die Meeresströmung ist es recht mild in Victoria, deshalb ist es auch das Sammelbecken der Nichtsesshaften. Schnee und Frost gibt es durchschnittlich nur alle 7 bis 10 Jahre. Auf der Suche nach Zigarren und Rauchgelegenheiten fand ich Goodfellas, einen unscheinbaren Eckladen am Rande der City.
Auf meine Frage, wo man denn Zigarre rauchen könne, bekam ich zur Antwort, dass es in Kanada ein Rauchverbot gäbe. Auf meine Nachfrage mit dem Hinweis, dass ich danach ja nicht gefragt hätte, sondern wissen wolle wo man rauchen könne, kam der entscheidende Hinweis: „Also, wenn Sie bei uns eine Zigarre kaufen, können Sie sich in den Raum für das Personal setzen und rauchen.“
Klingt nicht Vertrauen erweckend. An der Tür das Schild „Staff only“, dahinter eine bunte Mischung aus Stühlen und Sesseln, mehrere Tische und ein Nebenraum mit Kaffeeküche, dann noch der Hinweis, wenn ich einen Kaffee möchte, müsse ich mich selbst bedienen, irgendwo seien noch saubere Becher, und Milch sei im Kühlschrank. Die „Jungs“ machen das hier alle so. Mit „Jungs“ sind die sich regelmäßig hier treffenden Zigarrenraucher der Gegend gemeint, nette „Jungs“, wie ich feststellen durfte.
Aber warum dieser Aufwand mit dem „Staff only“? Dies hat eine einfache Ursache. Der Laden wird regelmäßig kontrolliert, man bekommt Tabakwaren nur gegen Vorlage des Führerscheins (Altersnachweis). Wie gesagt, der Laden; der Raum für die Mitarbeiter gehört nicht zum Laden. Um dort rein zu kommen, bräuchte man schon die Anordnung des Staatsanwaltes. Und die bekommen die Kontrolleure nicht.
Es gibt immer einen Weg, und sei er noch so verworren.