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16-09-15 06:01 Alter: 11 yrs

VON:GERHARD HEIMSATH

Zigarrengeschäfte sollen zu Galerien für Ekelbilder zwangsumgestaltet werden

Martin Schenke, Co-Chef der Casa del Habano in Leipzig, bittet seine Bundestagsabgeordnete Monika Lazar (Wahlkreis 153, Leipzig II), mit dafür zu sorgen, dass sein Ladengeschäft nicht zu einer Galerie für Ekelbilder zwangsweise umgestaltet wird.



60 % der Gesamterscheinung müssen aus Warnhinweisen und Ekelbildern bestehen. Im oberen Teil des Bildes sieht man Monika Lazar (MdB) Foto: monika-lazar.de

Den genauen Wortlaut seines Schreibens sowie die Antwort der Bundestagsabgeordneten Monika Lazar findet man unten.

Die Antwort von Frau Lazar ist ein geballtes Konvolut von Ignoranz und Arroganz unter Anwendung etlicher Werkzeuge aus dem Werkzeugkasten des geübten Rabulisten (lat.-nlat.: jemand, der in geschickter Weise spitzfindig argumentiert, um damit einen Sachverhalt in einer von ihm gewünschten, aber nicht der Wahrheit entsprechenden Weise darzustellen; kurz: Wortverdreher)

Zahlreiche Untersuchungen deuten darauf hin, dass bildgestützte Warnhinweise die Kenntnis über die tabakbedingten Risiken verbessern können.
Rabulistenwerkzeug No. 1: Sorge dafür, dass Deine Aussagen vage bleiben. Oder: Wir wissen zwar nichts Genaues und entgegengesetzte Untersuchungsergebnisse interessieren uns auch nicht. Die Gruppe der Zigarrenraucher ist so klein, dass wir uns gut auf ihre Kosten bei der Masse beliebt machen können.

Ich finde nichts schlechtes daran, dass der Staat der Bevölkerung Hinweise für eine gesunde Lebensweise gibt, …
(Sehen wir einmal von der mangelhaften Orthografie ab – „schlechtes“ muss groß geschrieben werden.) Nochmals das Rabulistenwerkzeug No. 1 – vage und allgemeine Plattitüde. Wenn der Staat Hinweise geben möchte: Gerne. Plakate an den Wänden der Abgeordnetenbüros, über dem Bundesadler im Bundestag, auf den Dienstfahrzeugen der Parlamentarier, Zwangseinblendungen in den Fernsehnachrichten – es gibt genügend Orte, an denen die Hinweise gesehen werden können. Warum auf Zigarrenkisten? Das war die Frage.

Sie schreiben: "Pfeifen- und Zigarrenraucher sind ältere, gut informierte, und lebenserfahrene Verbraucher." Wenn dies der Fall ist, werden diese Kundinnen und Kunden sicher selbstbestimmt mit bildgestützten Warnhinweisen auf den Produkten umgehen können und weiterhin bei Ihnen einkaufen.
Rabulistenwerkzeug No. 2: Die Verhöhnung. Wenn die Kunden das eh wissen, dann können wir ihnen auch ruhig Ekelbilder in die Hand drücken und Ihren Laden zwangsweise in eine Galerie für Ekelbilder umgestalten. Macht doch nichts.

Ihr wirtschaftliches Argument einer möglichen Schwächung des deutschen Mittelstands im Gegensatz zur Stärkung multinationaler Großkonzerne wäre zu prüfen. 
Rabulistenwerkzeug No. 3: Heuchle Handlungsbereitschaft. „… wäre zu prüfen.“ Wenn was? Wenn das Ergebnis überhaupt von Interesse wäre. Wenn es nicht sowieso egal wäre?

Offensichtlich hat jedoch Ihr Geschäft die Umstellung auf bildgestützte Warnhinweise bei Zigaretten überdauert.
Rabulistenwerkzeug No. 4: Versuche, den Gegner durch falsche Behauptungen abzulenken. Derzeit gibt es „bildgestützte Warnhinweise“ noch nicht. Das ist ja der Grund des Anschreibens. Rabulistenwerkzeug No. 5: Alles in einen Topf hauen und etwas beimengen, um das es gar nicht geht. Martin Schenke hat nichts von Zigaretten geschrieben. Und wieder Rabulistenwerkzeug No. 2, die Verhöhnung. Was wollen Sie? Sie leben doch noch.

Deshalb gehe ich davon aus, dass auch eine Ausweitung der Hinweise auf weitere Produkte für Sie keine nachhaltig negativen Folgen haben wird.
Wieder das Rabulistenwerkzeug No. 1, die allgemeine Plattitüde. Wir gehen einfach mal von etwas aus. Ob das nun stimmt oder nicht, interessiert uns nicht. Sie haben bisher gestrampelt und überlebt; irgendwie werden Sie das auch in Zukunft schaffen. Wenn wir uns durch Schikanieren und Kujonieren einer kleinen Minderheit bei der Masse beliebt machen können, dann tun wir das – Minderheitenrechte hin oder her.

Derartige Absonderungen von Politikern zeigen nur eines: Es geht ihnen um die Stigmatisierung einer kleinen Minderheit. Fakten und eine sachbezogene Antwort stören dabei nur.

Frau Lazar ist Mitglied im Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Was hören oder lesen wir denn von ihr zum Thema Kinderarbeit? Aber die ist ja weit weg. Damit lassen sich kaum Stimmen machen.


Dateien: 2015-09_-_Anschreiben_zu_TPD2_-_MdB_Lazar.pdf
2015-09_-_Antwort_Monika_Lazar.JPG