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12-03-26 08:02 Alter: 40 days

VON:GH

Zigarrenlounge im Levantehaus • Greta Oto im Conrads Hotel

Mit dem neuen Haus der Conrad Hotels hat Hamburg einen weiteren Baustein im gehobenen Hotelsegment erhalten. Die Luxusmarke aus dem Hause Hilton ist international für ihre elegante Mischung aus kosmopolitischem Stil und zurückhaltendem Komfort bekannt.



© Conrad Hamburg


Das traditionsreiche Levantehaus gehört zu den architektonischen Schmuckstücken der Hamburger Innenstadt: ein historischer Kontorhausbau mit markanter Fassade, großzügigem Glasdach-Atrium und jener hanseatischen Eleganz, die Handelstradition und Weltläufigkeit miteinander verbindet. Heute beherbergt das Gebäude eine Mischung aus gehobenem Einzelhandel, Gastronomie und – nun eben auch – Hotellerie.

Im Haus befindet sich das Restaurant Greta Oto. Der Name stammt von einem tropischen Schmetterling – Greta oto, dem sogenannten Glasflügelfalter –, dessen durchscheinende Flügel fast immateriell wirken.

Die Küche des Restaurants überzeugt mit ausgezeichneten Produkten, pfiffigen Rezepten und jener kreativen Leichtigkeit, die klassische Aromen respektiert, ohne sich von ihnen fesseln zu lassen.

Das Personal des neuen Hauses befindet sich allerdings noch in der Findungs-, Kennenlern- und Erkundungsphase. Lautstarke Gespräche an der Bar ermöglichen es dem Gast, Anteil an den Betriebsinterna zu nehmen. Mails werden derzeit noch nicht beantwortet, telefonisch hingegen funktioniert es.

Beim Eintreffen telefoniert die Concierge mit jemandem über Schuhe, kündigt an, bei eBay und in diversen Schuhhäusern Ausschau zu halten und sich umgehend zu melden. Da grundsätzlich jeder und jede geduzt wird, weiß man natürlich nicht, ob es sich um ein dienstliches oder privates Gespräch handelt. Auch der zweite Concierge scheint wichtige Telefonate zu führen. So wartet der Gast eben geduldig, bis irgendjemand sich seiner erbarmt.

Dass es in einem amerikanischen Kettenhotel überhaupt eine Zigarrenlounge gibt, ist schon bemerkenswert. Noch erfreulicher ist es, wenn man dann in ein etwa vierzig Quadratmeter großes Refugium tritt, dessen Einrichtung keinen Zweifel daran lässt, dass hier der Zigarrenraucher ausdrücklich angesprochen wird.

Stilistisch orientiert sich die Lounge sichtbar an der Gestaltung von Lobby und Restaurant, interpretiert diese jedoch deutlich ruhiger und intimer. Gedämpftes Licht, warme Materialien und zurückhaltende Farben schaffen eine Atmosphäre, die eher zum Verweilen als zum schnellen Drink einlädt. Einzelne Sessel gruppieren sich um kleine Tische, während entlang der Wände zwei durchgehende Sitzbänke installiert sind, die dem Raum eine klare Struktur geben und zugleich überraschend viele Plätze schaffen. Die Materialien wirken hochwertig, ohne prätentiös zu sein; man spürt, dass hier nicht einfach ein Raucherraum eingerichtet wurde, sondern ein bewusst gestalteter Aufenthaltsort.

Rund zwanzig Personen finden mühelos Platz. Dass während einer Zigarre stets auch Zigarettenraucher ein und aus gehen, gehört zum kleinen Kollateralschaden der Rauchkultur, den man in Kauf nehmen muss. Dank einer unauffälligen und zugleich höchst effizienten Abzugsanlage hält sich deren Einfluss jedoch in Grenzen – die Luft bleibt erstaunlich klar.

Der Service in der Lounge ist bemerkenswert aufmerksam und professionell: Nicht nur werden die Standardgetränke aus der Karte serviert, vielmehr erarbeitet das Team gemeinsam mit dem Barkeeper auch individuelle Sonderwünsche. Mit wenigen Vorgaben – süß, fruchtig, Alkohol – entsteht ein perfekt abgestimmtes Getränk zur Zigarre, das die persönliche Note des Gastes trägt. Und dann darf der Tipp ruhig etwas großzügiger ausfallen, ohne dass es aufgesetzt wirkt.

Und so sitzt man schließlich mit seiner Zigarre in einem amerikanischen Kettenhotel mitten in der Hamburger Innenstadt – und stellt fest, dass ausgerechnet dort ein Ort entstanden ist, an dem der Zigarrenraucher für einen Moment ganz unter sich sein darf.

Das Alles ist durchaus 4 von 5 Tabakblättern wert.

zigarrenlounges.de