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07-04-22 11:28 Alter: 128 days

VON:ANDREAS HILMER

Die Zigarrenwelt im Hotel Adlon Berlin • Teil 2

Die vom Hotel Adlon betriebene Zigarrenlounge passt nicht wirklich in die Sternewelt des restlichen Hotels.



Berlin, Hotel Adlon, Zigarrenlounge


Gerber-Humidor – ohne Zigarren


Immerhin: Eine Flasche Whisky …


„Kamin“ …


Löschwasser im Aschenbecher – so reduziert man Serviceaufwand (alle Bilder: Andreas Hilmer)

Die Lounge des Hotels – vom Adlon betrieben – ist nicht ohne Makel.

Der Humidor aus dem Hause Gerber hat ein Problem mit dem Befeuchtungssystem. Aufgrund der unzureichenden Luftfeuchte können in dem Humidor keine Zigarren gelagert werden. Stattdessen stehen verträumt einige Flaschen Whiskey darin.

Wenn der Humidor wieder ertüchtigt ist, soll Noblego für eine angemessene Auswahl von Zigarren verantwortlich sein.

Wie dann der Gast an die Zigarren kommen soll, ist aber noch unklar. Denn die Raucherlounge ist nicht bewirtschaftet.

Aus Jugendherbergen kennt man das: Man muss sich seine Getränke an der Lobby-Bar besorgen und darf sich dann mit seinem Espresso für 5,90€, seinem 100-cl-Glas Wein für 10-15 € oder dem Hefeweizen für 11 € in die Raucherlounge zurückziehen. Diese ist recht ruhig und zumindest zur Zeit unseres Besuches ohne Musik. Mobilfunkempfang ist so gut wie nicht vorhanden und WLAN gibt es nur für Hotelgäste oder per Voucher. Somit kann man, begleitet vom sanften Rauschen der Abluftanlage, seiner Zigarre alle Aufmerksamkeit schenken.

Dementsprechend konnte der Autor nur „gestört“ von einem weiteren Zigarillo-Raucher (immerhin!) seine H. Upmann Half-Corona über eine Stunde in guter Langsamrauch-Manier genießen und die Lounge detailliert beäugen. Stühle und Sofas waren ausreichend bequem, wirkten aber im Vergleich zum sonstigen Mobiliar außerhalb der Lounge deutlich weniger hochwertig. Die weitere Gestaltung der Lounge war großzügig mit ansprechenden schwarz-weiß Portraits an den Wänden. Ein „falscher“ Kamin war ausgeschaltet.

Die Ascher waren zigarrengerecht, jedoch mit einer unattraktiven Patina. Befremdlich war deren Befüllung mit Wasser, was die Asche zischen ließ. Auf einigen Tischen lagen die Reste der Sucht-Substitute von Tabakerhitzern teilweise in vollen Packungen herum. In der guten Stunde des Aufenthalts verirrte sich kein Servicepersonal in den kameraüberwachten Raum, um das Geschirr lange gegangener Gäste abzuräumen. Aber man ist ja schon dankbar, dass man auch als Nicht-Hotelgast hier seine Zigarre genießen kann.

Fazit: Das Geschäft von Noblego ist auf jeden Fall einen Besuch wert, wenn man die sonst nur online vertriebenen Waren einmal mit eigenen Augen sehen will – zumindest, wenn man in der Nähe des Pariser Platzes oder im Adlon weilt. Für einen Besuch der Lounge bekommt man bei Noblego eine gute Auswahl an Zigarren zum sofortigen Verzehr geboten.

Zur Begleitung der Zigarre sollte man sich jedoch eine Begleitung in Form eines Freundes oder Literatur – beides zur Unterhaltung – mitbringen. Etwas mehr Kleingeld für ein Getränk sollte man auch dabeihaben. Ein Verzehr ist aber nicht verpflichtend.

Das Hotel und das Geschäft von Noblego sind beide sehr sehenswert. Bei der Adlon-Lounge ist aber nach oben noch Luft, was die Verweilqualität angeht.

Hinweis: Im ►1. Teil geht es um den „Adlon-Shop“ von Noblego.