26-12-23 13:37 Alter: 3 yrs
VON:DAVID ROLLIK
Jahresrückblick 2023 • Teil 1
David Rollik blickt zurück.
Januar: Das Jahr beginnt, wie das alte endete - mit der Frage, wo dieses neue Zigarrengeschäft entsteht, dessen Entstehung die Leser von "Art of Smoke" mit Bildern und in Zoom-Konferenzen mitverfolgen können. So ganz selbstverständlich ist es ja nicht, wenn dieser Tage in den Zigarreneinzelhandel investiert wird. Nach wenigen Tagen wird das Geheimnis gelüftet: Dr. Maximilian Herzog wird im Berliner Westen ein drittes Geschäft beziehen. Apropos Maximilian Herzog: Er ist wieder auf Reisen und nutzt die Gelegenheit, bei der Eröffnung einer neuen Fabrik von Villiger de Nicaragua zugegen zu sein. Dank guter nachbarschaftlicher Beziehungen zu Joya de Nicaragua können auch Leser von "Art of Smoke" teilnehmen, möglich macht es deren hochprofessioneller Videokonferenzraum. Man muss aber nicht zwingend weit reisen, das Gute liegt manchmal näher, als man denkt. Das Hotel Kunz in Pirmansens beispielsweise. Dieses hat eine Zigarrenlounge, die ihresgleichen sucht: Geschätzte 100 Quadratmeter mit geschätzten 60 Plätzen, dazu eine Getränkeauswahl, die kaum einen Wunsch offen lässt. Eine absolute Reiseempfehlung. Rauchen könnte man dort beispielsweise die Laura Chavin Terre de Mythe Corona Gorda Edition 2022. Auf den »Art of Smoke«-Jahresabschlussveranstaltungen konnte sie bereits geraucht werden und wurde wohlwollend bewertet. Nun kommt sie in den Handel. Für Bertolt Brecht wäre sie nichts gewesen, laut Friedrich Dürrenmatt bevorzugte er Brasil-Zigarren. Auf einem Plakat, das für die Aufführung der Dreigroschenoper zu Jahresbeginn in Hamburg wirbt, wird Brecht mit Zigarre gezeigt und man freut sich heutzutage ja über jede Öffentlichkeit, die für die Zigarre geschaffen wird.
Februar: Auf Einladung des Hotels Adlon Kempinski besuchte Juan Jesús Machín, Master of Masters Habano Sommelier, das Hotel. Machín ist Zigarrensommelier im Grand Hotel Manzana Kempiski in Havanna, in Berlin zeigte er einer kleinen Runde von Aficionados verschiedene Anzündmöglichkeiten von Zigarren und deren Rußentwicklung. Gelernt wird regelmäßig auch beim monatlichen Zigarrenlunch am Captain´s Table der Rickmer Rickmers in Hamburg. Eingeladen wird dabei vom Chef des Schiffes, Oberst a. D. Joachim Stratenschulte, es gibt 18 Plätze, 18 Personen und maximal zwei Themen. Auch Zigarren der Manufaktur "Vegas de Santiago" wurden schon an Bord verkostet und diskutiert und vom Humidor-Konsilium für empfehlenswert befunden, sodass es zwei Formate der Serie D8 erneut auf die Empfehlungliste geschafft haben. Nach dem Abstecher zu Villiger de Nicaragua geht es Mitte des Monats in die Dominikanische Republik. Und rund 160 Aficionados können live am Bildschirm dabei sein beim Besuch der Arnold André Dominicana Zigarrenmanufaktur. Eingeladen hatten Haucke Luckow, Chef der Manufaktur, und Jens Schrader, Marketingchef des Unternehmens. Neuigkeiten gibt es auch aus Kuba zu vermelden. Mit Maritza Carrillo González gibt es eine neue Co-Präsidentin von Habanos S.A.. Apropos Kuba: Auch in diesem Jahr gibt es wieder die Deutsche Meisterschaft im Langsamrauchen. Ende Februar kamen in Neuwied Aficionados zu einem ersten Training zusammen. In einem anderen Wettbewerb stehen die Sieger hingegen bereits fest, zumindest aus 2022, aber nun geht es für die deutschen Habanos Champions Daniel und Marcel Lindemann nach Havanna zum Habanos-Festival. Rund 10.000 Euro kostet die Reise der beiden Brüder, die 5th Avenue übernimmt. Im finalen Wettbewerb mit Konkurrenz aus Chile, Kolumbien, Griechenland, Kuwait und Zypern scheitern beide dann aber leider an der Erkennung einer kubanischen Zigarre ohne Zigarrenring. Ob man einmal Gelegenheit haben wird, die neue Club-Zigarre des Berliner Club de Fumadores blind zu verkosten? Die Delectados, eine Zigarre im Dalia-Format (Ringmaß 42 bei einer Länge von 170 Millimetern), sind ausschließlich für Club-Mitglieder erhältlich. Derweil füllt sich wieder einmal das Zigarrenlager.
März: In Lübeck eröffnet ein neues Refugium für Aficionados. Die Tischlerlounge Lubeca. Sie ist 100 Quadratmeter groß und privat - nicht geheim, aber auch nicht für jedermann nach Belieben zugänglich. Hier stimmen die äußeren wie inneren Werte. Gleiches gilt auch für das Zigarren-Urgestein Udo Küppers. Er erhält für ein gelungenes Portraitbild eine Model-, Haltungs- und Bekleidungszulage im Tabaklager. Aus Kuba berichtet 5th Avenue vom 23. Habanos Festival. Neben der Vorstellung neuer Produkte gibt es stets auch interessante Zahlen aus der Habanos-Welt, so wuchs beispielsweise das weltweite Netz von Verkaufsstellen um fast 10 Prozent im Vergleich zu 2021. Mit 157 La Casas del Habano, 1.264 Habanos Specialists, 2.744 Habanos Point-Geschäfte und 587 Habanos Lounges und Terraces muss sich also eine steigende Zahl von Fachgeschäften eine stetig sinkende verfügbare Habanos-Menge teilen. Wer ohnehin lieber dominikanisch raucht, der sollte unserem Reisetipp ins Boutiquehotel Römerhof in Arbon in der Schweiz folgen. Es bietet 11 Hotelzimmer, ein Gourmetrestaurant - und vor allem eine Davidoff Lounge mit 14 Sitzplätzen. Freundlicher und hilfsbereiter Service ist selbstverständlich. Unschöne Schatten voraus wirft unterdessen der 1. April: Leider kein Scherz sind erneut teils massive Preiserhöhungen. Unter anderem zieht Arturo Fuente die Preise der Añejo-Serie um 30-35 Prozent an. Womöglich ist da die neue AVO Limited Edition Series 2023 eine Alternative? Mit 18,50 Euro kein Schnäppchen, aber dafür auch nur in weltweit 4000 Kisten - und 500 hierzulande - erhältlich. Und überhaupt, was ist schon Geld. Wer die neue Partagás Serie E No.2 Gran Reserva Cosecha 2015 rauchen möchte, muss für ein 15er-Kistchen 3.150 Euro anlegen. Dafür bekommt man Tabake aus dem Jahr 2015, einen zweiten Zigarrenring und kann Freunde mit dem besonders langen Namen beeindrucken.
April: Das Humidor-Konsilium widmet sich diesmal ausführlich Villiger. Villiger-Ambassador Felix Wallenhorst hat dazu für die Teilnehmer sechs Zigarren mitgebracht, von der 1492 Short Perfecto bis zur Villiger do Brasil Maduro Toro. Insbesondere letzte überzeugte einmal mehr das Konsilium. Wie es sich für die Rickmer Rickmers gehört, sorgte die Kombüse obendrein gewohnt zuverlässig für schmackhafte feste Nahrung. In Potsdam stand dagegen eine neue Linie von Meerapfel auf dem Programm. Das Tabakhaus Simon hatte eingeladen und Melissa Meerapfel war aus London zur Verkostung der La Estancia Edition Exclusiva angereist. Die Besonderheit: Für die Einlage werden vier verschiedene Tabake verwendet. So viel Exklusivität kostet im Format Gigante 25 Euro pro Exemplar. Wie steht es eigentlich um das Zigarrenwissen von ChatGPT? Wir haben es getestet und gefragt: "Wie berühmt war Konrad Adenauer als Zigarrenraucher?" Die Antwort wird Sie überraschen. (Da ChatGPT ununterbrochen dazulernt, haben wir die Frage noch einmal Ende Dezember 2023 gestellt. Die Antwort war die gleiche.)
Mai: Im Central Theater in Leipzig feiert der Sozialismus fröhliche Urstände. Dafür kann man im einer Etage darunter liegenden Barfusz, Restaurant und Bar, eine Zigarre genießen. Ab 21 Uhr. Besonders gut geht dies fortan auch im niedersächsischen Hude. Dort hat in der Kloster-Schänke eine Habanos Terrace eröffnet. Sie bietet rund 60 Plätze und einen mehr als umfangreiche Getränkebestand. Eine ideale Gelegenheit, Gleichgesinnte zur Zigarre zu treffen, ist der Habanos Day. Dessen Programm nimmt langsam Gestalt an, Anfang September dürfen sich die Teilnehmer unter anderem auf einen Tee-Experten und eine Reise ins historische Havanna freuen. Apropos Habanos: Alle Jahre wieder muss ein Gericht feststellen, dass wo Kuba draufsteht, auch Kuba drin sein muss. Diesmal war es das Oberlandesgericht München. Danach dürfen Bezeichnungen wie „Kuba“ und „Havanna“ nur für Zigarren verwendet werden. Eindeutig und unzweifelhaft eine Habano ist die Montecristo No. 4 - die Zigarre, an der sich alle messen müssen, die an der Deutschen Meisterschaft im Langsamrauchen teilnehmen. Beim Vorentscheid im Rhein-Lahn-Kreis legt der dreifache Meister Hauke Walter stolze 03:01:30 vor. Anzünden kann man die Zigarre mit einem Feuerzeug, Streichhölzern - oder einem Fidibus. Berlins Zigarrenhändler Maximilian Herzog belebt die uralte Kultur des Zigarreanzündens mit einem Fidibus wieder und bietet fortan entsprechende Holzspäne in stilsicherer Schachtel an. Anzünden kann man damit natürlich auch die neue „La Grande Dame“ Limited Edition von Laura Chavin. Sie ist eine Hommage an Irene Seiler, die Grande Dame des deutschen Zigarrenhandels, die 1998 ihr Geschäft im hessischen Bensheim gegründet hat. Nur 2000 Zigarren sind in 10er-Kisten erhältlich.
Juni: Mit Frank Nickles begrüßt das Humidor-Konsilium ein neues Mitglied. Der begeisterte Filmer raucht schon seit mehreren Jahrzehnten Zigarre und wird fortan mitentscheiden, welche Zigarren der Mensch braucht. Bei der Deutschen Meisterschaft im Langsamrauchen ist dies seit Jahren ein Exemplar der Montecristo No. 4. Seit wann diese Zigarre dafür verwendet wird, lässt sich nur bedingt feststellen. Wir haben es trotzdem versucht und blicken auf die Geschichte des Wettbewerbs zurück, der 1975 seinen Anfang nahm. Im Jahr 2023 verwies im ersten von zwei Vorentscheiden in Neuwied Silvia Leis mit 01:42:13 die anderen Teilnehmer auf die Ränge. Auch in Berlin gab es einen Vorentscheid. Dazu geladen hatte Hussein Seif, Inhaber des Barbier- und Frisörgeschäftes The Barber Yard in Berlin-Neukölln. Uwe Hellmich legte seine Zigarre nach einer Stunde und 29 Minuten als Letzter ab. So verschnörkelt wie die Zigarre ist auch ihr Name: Vegas de Santiago D8 Edición Paz y Amistad (Limited Edition) Culebra. In Deutschland ist sie exklusiv bei Noblego erhältlich, in begrenzter Stückzahl im 3-er Zopf oder als kleine Kiste mit zwei Zöpfen, also insgesamt sechs Zigarren. Der Name bedeutet übrigens "Frieden und Freundschaft". Davon hätte es im ersten Halbjahr 2023 weltweit durchaus etwas mehr geben können.